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Normen und Ausschreibung

Für Schaumbeton gibt es keine einheitliche harmonisierte Norm. Vorhanden sind Prüfverfahren für Schaumbildner und erhärteten Zellenbeton, eine Reihe von ACI-Richtlinien und nationale Zulassungen für einzelne Anwendungen. Zu wissen, welches Dokument was abdeckt, erspart später viel Streit.

Warum es keine einheitliche Norm gibt

Betonnormen sind um ein Korngerüst herum gebaut. Bemessungsgleichungen für Festigkeit, Steifigkeit, Kriechen und Schwinden sowie Dauerhaftigkeitsregeln zu Betondeckung und Dichtigkeit setzen es voraus. Schaumbeton hat keine grobe Gesteinskörnung, besitzt ein absichtlich eingebrachtes Porensystem und schwindet um eine Größenordnung stärker, als die Normen unterstellen. Statt Ausnahmen in eine allgemeine Betonnorm zu schreiben, haben die Normungsgremien Schaumbeton weitgehend außerhalb belassen und über Richtlinien, Prüfverfahren und anwendungsbezogene Zulassungen geregelt.

Die praktische Folge für den Ausschreibenden: Ein Verweis auf eine Betonnorm bindet nicht. Eine Schaumbetonausschreibung muss ihre Leistungsanforderungen selbst formulieren und die Prüfverfahren benennen, nach denen sie beurteilt werden.

ASTM: Schaumbildner und Prüfung

Die ASTM-Dokumente sind unmittelbar am nützlichsten, weil sie einen Schaumbildnereinkauf durchsetzbar machen.

NormInhaltVerwendung
ASTM C869Spezifikation für Schaumbildner zur Herstellung von Vorschaum für ZellenbetonAbnahmeanforderung für das Mittel selbst
ASTM C796Prüfverfahren für Schaumbildner zur Herstellung von Zellenbeton mit VorschaumKonformitätsnachweis nach C869
ASTM C495Druckfestigkeit von dämmendem LeichtbetonPrüfung des erhärteten Baustoffs bei definiertem Feuchtezustand
ASTM C1693Spezifikation für autoklavierten PorenbetonReferenz für AAC — ein anderer Baustoff, hier nur zur Abgrenzung genannt

C869 und C796 sind zusammen das Paar, das in jeden Schaumbildnereinkauf gehört. Ohne sie ist "für Zellenbeton geeigneter Schaumbildner" keine prüfbare Anforderung.

ACI 523: die Richtlinien

Die 523er-Reihe des American Concrete Institute kommt einer geschlossenen Darstellung der Zellenbetonpraxis am nächsten, gegliedert nach Rohdichte und Produktform:

Es sind Richtlinien, keine Normen: Sie informieren die Praxis und können zitiert werden, setzen aber für sich genommen keine Anforderungen. Für die Methodik zitieren und für die Abnahme ausdrückliche Leistungswerte festschreiben.

Europäische Normen und DIN EN 206

DIN EN 206Beton: Festlegung, Eigenschaften, Herstellung und Konformität — erfasst Normal-, Schwer- und Leichtbeton. Die Leichtbetonregelungen gelten für Material mit geschlossenem Gefüge und einer Trockenrohdichte zwischen 800 und 2000 kg/m3, hergestellt mit leichter Gesteinskörnung. Schaumbeton fällt in der Regel nicht darunter: Er hat keine grobe Gesteinskörnung, sein Porensystem ist absichtlich eingebracht statt beiläufig, und der größte Teil seines Rohdichtebereichs liegt unterhalb der Untergrenze.

Teilweise einschlägige weitere Dokumente:

Ein häufiger Ausschreibungsfehler

DIN EN 206 für eine Schaumbetonschüttung zu zitieren und anzunehmen, sie binde. Sie tut es nicht, und wo sie als bindend gelesen wird, stellt sie Anforderungen — grobe Gesteinskörnung, geschlossenes Gefüge, eine Mindestrohdichte —, die der Baustoff nicht erfüllen kann. Stattdessen die Leistungsanforderungen ausdrücklich festschreiben.

Nationale und anwendungsbezogene Regelungen

Weil die allgemeinen Normen eine Lücke lassen, füllen die meisten Rechtsordnungen sie auf Anwendungsebene.

Eine durchsetzbare Ausschreibung schreiben

Eine tatsächlich prüfbare Ausschreibung enthält alle folgenden Punkte. Fehlt einer, ist der Rest nicht durchsetzbar.

  1. Ziel-Trockenrohdichte und Toleranz. Üblicherweise ±50 kg/m3 oder ±5 %, je nachdem, was größer ist. Die Frischrohdichte niemals als Abnahmekriterium festlegen — sie hängt von der Mischung ab und ist eine Produktionskontrolle, keine Produkteigenschaft.
  2. Mindestdruckfestigkeit in einem angegebenen Alter, mit benanntem Prüfverfahren und festgelegtem Feuchtezustand bei der Prüfung. Der letzte Punkt ist die häufigste Streitursache: Ein gesättigter und ein ausgeglichener Probekörper derselben Charge liefern deutlich unterschiedliche Werte.
  3. Konformität des Schaumbildners nach ASTM C869, geprüft nach ASTM C796.
  4. Nachbehandlungsregime, einschließlich Dauer, Schutzmaßnahmen und etwaigem Dampfprofil, da es das Ergebnis verändert.
  5. Soweit einschlägig: maximales Trocknungsschwinden mit Prüfverfahren, Wärmeleitfähigkeit mit zugehörigem Feuchtezustand, Brandverhaltensklasse und — bei Verfüllungen — eine Anforderung an die Wiederaushubfähigkeit als Höchstrohdichte oder Höchstfestigkeit.
  6. Häufigkeit der Produktionsprüfung und das Vorgehen bei einer nicht bestandenen Charge.

Realistische Festigkeitswerte je Rohdichte stehen unter Rohdichteklassen, die Umrechnung einer Trockenrohdichteanforderung in die vom Werk kontrollierte Frischrohdichte unter Mischungsentwurf.

Zuletzt geprüft: